DOSSIER NOCHLEZHKA

Das Bild einer blühenden russischen Wirtschaft verzerrt die Vorstellung, die wir hier von Russland haben. Nur wenige profitieren von diesem Wohlstand und Überfluss. Ihnen gegenüber steht die Mehrheit der russischen Bevölkerung, die täglich darum kämpft, über die Runden zu kommen.
Seit dem Regime-Wechsel von 1991begünstigt der politisch-wirtschaftliche Übergang das freie Unternehmen. Die Privatisierung des Staatsgutes, die auch ein Grossteil des Wohungsmarktes betraff, liess unzählige Bürger auf der Strecke bleiben. Der massive Ansturm von Arbeitssuchenden in Sankt Petersburg verursacht ein schwerwiegendes Problem in der Immobilienpolitik. Die neuen Wohungseigentümer interessieren sich nicht für diese Kategorie von Mietern oder vermieten ihre Zimmer und Wohnungen einfach schwarz. Man muss wissen, dass in Russland die Bürokratie und das Wohnungswesen eng beieinander liegen.
Ohne Wohnung bekommt man keinen Ausweis und keinen administrativen Stempel, die Propiska. Und ohne Propiska bekommt man widerum keine Wohnung. Millionen von russischen Bürgern sind Opfer dieser bewusst ungerechten Urteile und stecken in der Mittellosigkeit, ohne jeden Zugang zu Diensleistungen des Staates.
n Russland beträgt die Zahl der Obdachlosen 4 bis 5 Millionen, das sind etwa 4 % der Gesamtbevölkerung.
Heute befinden sich in Sankt Petersburg mehrere tausend Männer, Frauen und Kinder in prekären, dramatischen Umständen und erleiden diese Ungerechtigkeiten.
Sie erhalten keinerlei Unterstützung vom Staates, der die Augen vor dieser gravierenden Problematik verschliesst.
9000 Menschen leben auf der Strasse, in Kellern oder auf Dachböden. Sie haben weder Zugang zu Trinkwasser, noch die Möglichkeit zu heizen oder eine Chance auf warme Mahlzeiten. Im Winter bleibt ihnen nur die Möglichkeit vor Kälte zu erfrieren.
Die russische Regierung nimmt keine sehr originelle Haltung zur Situation ein: die blosse Verneinung des Problems.
Den bedrückenden Beweis dafür, dass die Regierung ihrer Aufgabe nicht nachkommt, soziale Hilfe zu leisten, geht aus dem Überlebensindex hervor : Er beträgt für Menschen, die auf den Strassen von Sankt Petersburg leben 4 Jahre.
Die NGO Nochlezhka tritt energisch dafür auf, dass :
"Jeder und jede in Russland das Recht auf ein Leben in Würde und Sicherheit hat, unabhängig vom sozialen Status"
Der Verein "Nochlezha" wurde 1991 in Sankt Petersburg gegründet und führt folgende Aktionen durch
-Unterkunft und Zentrum zur Wiedereingliederung
-Rechtsberatung
-tägliche medizinische Hilfe
-psychologische Unterstützung und Präventation bei Alkoholproblemen
-Nachtbus, der warme Mahlzeiten verteilt
-das Zelt der letzten Hoffnung
-die Unterstützung von obdachlosen Familien
Auch Sie können tatkräftig helfen, werden Sie aktive Mitglieder von N.S.S. und spenden Sie.